Oh weh, oh weh.
So schnell kann’s gehen. Der perfekte Moment, er ist verpasst. Tätigkeiten, die wir sehr gerne tun, schieben wir auf. Wir warten auf den richtigen Moment. Auf den Moment, in dem wir uns konzentrieren, fokussieren, freuen können. Schwupps ist der Moment weg, einfach weg. Wir haben ihn verpasst.
Bedauerlich, dass wir diesen Moment, auf den wir uns gefreut haben, nicht nutzen konnten, um die Tätigkeit auszuführen, die uns Freude bereitet hätte. Und womit haben wir stattdessen unsere Zeit verbracht? Oftmals erinnere ich mich gar nicht mehr daran. Wie geht es Ihnen?
Das Phänomen der „Aufschieberitis“ ist weit verbreitet, und der Begriff Prokrastination ist mittlerweile auch im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Bisher dachte man, wir schieben vor allem Dinge auf, auf die wir keine Lust haben. Jedoch beobachte ich bei mir selbst, dass ich auch Dinge aufschiebe, auf die ich mich sehr freue – wie zum Beispiel diese Kolumne zu schreiben. Ich möchte den perfekten Moment abwarten, den Moment, in dem ich Zeit habe, zu genießen, zu schreiben, zu denken, Worte zu finden, sie klingen zu lassen und das Papier mit meinen Gedanken zu füllen. Aber dann finde ich mich wieder zwischen zwei Terminen, gehetzt, die Worte schnell auf das Papier bringend, ohne den Moment zu genießen. Weder den Prozess noch das Ergebnis. Vorher freue ich mich immer, nachher ärgere ich mich, dass ich es wieder nicht genossen habe.
Nun ja, auch das kann man ja positiv sehen – Vorfreude ist ja auch eine Form der Freude. Doch selbst, wenn Prokrastination laut wissenschaftlicher Erkenntnisse auch positive Effekte haben kann, ärgert sie mich in diesem Fall. Also, meine eigene. Statt mich schon jetzt gedanklich der nächsten Kolumne zu widmen, höre ich lieber einen Podcast darüber, wie man weniger prokrastiniert. Denn der nächste perfekte Moment, in dem ich in Ruhe schreiben kann, der kommt bestimmt.
Vielleicht
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Zuerst erschienen in ensuite – Zeitschrift zu Kultur & Kunst, Oktober 2024.