High Performance Teams
Im letzten Jahr habe ich mich viel mit Basketball beschäftigt – obwohl ich mich überhaupt nicht für Basketball interessiere. Nachdem mich die Dokumentation über die Wagner-Brüder begeistert hat, erinnerte ich mich daran, dass ausgerechnet Christine Westermann im Literarischen Quartett die Biografie von Dirk Nowitzki empfohlen hatte. Warum sollten Christine Westermann und ich uns für Dirk Nowitzki interessieren? Weil seine Geschichte wirklich spannend ist und die Biografie außergewöhnlich gut geschrieben ist. So bin ich in die Welt des Basketballs eingetaucht, und wie so oft kam eins zum anderen. Ich habe verstanden, wie viel wir vom Sport lernen können – in Bezug auf Führung, Fürsorge und Performance (ich habe danach gefühlt alle Podcasts mit Jürgen Klopp gehört, die ich finden konnte, denn von ihm lässt sich sehr viel über Klarheit, Werte, dienende Führung und Passion lernen – und auch darüber, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen).
Spieler in diesen Sportarten (man braucht das an der Stelle nicht zu gendern) verdienen unfassbar viel Geld. Die Gehaltsverhandlungen der Wagner-Brüder sind dabei wohl nur die Spitze des Eisbergs (Franz Wagner erhält in einem Maximalvertrag rund 224 Mio. Dollar für fünf Jahre, Moritz Wagner rund 5 Mio. Dollar pro Jahr). Was diese Spieler jedoch ebenfalls bekommen, ist eine konsequente Ausrichtung auf ihre körperliche und mentale Gesundheit. Nach Trainings und Spielen stehen Physiotherapie, Massage, Sauna und Co. auf dem Programm. Dirk Nowitzki folgt einem strengen Diätplan, der insbesondere während der Saison minutiös eingehalten wird. Alle haben Zugang zu Psychotherapeut:innen, und auch die Trainerausbildung im Hochleistungssport wird zunehmend professioneller. Der Trainer holt das Beste aus den Spielern heraus, indem er Klarheit schafft, fordert, fördert und die Gesundheit im Blick behält. Gleichzeitig hört man im Internet oder am Stammtisch oft: Die sollen sich nicht so anstellen, sie verdienen doch so viel Geld. Dahinter steckt die Annahme, dass hohe Bezahlung rechtfertigt, Menschen bis zum letzten Energiefunken auszupressen. Sicherlich werden sie gefordert – aber sie werden auch gezielt wieder aufgetankt. Regeneration wird geplant, Auszeiten werden organisiert, Fürsorge wird finanziert.
Wer ein High Performance Team will, muss es auch so behandeln. Teams, die dauerhaft überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen und dabei hohe Qualität, Effizienz und Lernfähigkeit zeigen, werden als High Performance Teams bezeichnet. Sie vereinen komplementäre Fähigkeiten und Menschen, die sich einem gemeinsamen Zweck, klaren Zielen und einem gemeinsamen Arbeitsansatz verpflichtet fühlen und sich gegenseitig verantwortlich machen. Führungskräfte und Führungsteams sollen genau das sein. In der aktuellen Realität bedeutet das jedoch oft etwas anderes: Überstunden gelten als selbstverständlich, Pausen als Schwäche, ständige Erreichbarkeit als Pflicht. Regeneration und das Aufladen der Batterien werden zur Privatsache erklärt – schliesslich wird ja gut bezahlt. Dann wundern wir uns über steigende Burnout-Raten, über Führungskräfte, die von heute auf morgen kündigen, und über nachlassende Performance. Gestresste Menschen mit leeren Batterien sind nur noch eingeschränkt denk- und handlungsfähig. Die hohen Gehälter werden so nicht zu einer Investition, sondern zu verbranntem Geld.
Wer High Performance will, muss auch Regeneration ermöglichen – gerade für Führungsteams. Pausen sollten incentiviert werden, nicht Überstunden. Leistung sollte als Zusammenspiel verstanden werden, nicht als Einzelleistung. Es braucht Sicherheit für Verletzlichkeit und Lernen, damit Menschen nach den Sternen greifen und Medaillen gewinnen können. Das Mantra für 2026 lautet demnach: «Wer ein High Performance Team will, muss es auch so behandeln».
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Zuerst erschienen in ensuite – Zeitschrift zu Kultur & Kunst, Februar 2026.